BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ortsverband Germering

Pressegespräch mit einem in Germering lebenden Jesiden

Anlässlich der Empfehlung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestags, dem auch Beate Walter-Rosenheimer angehört, die Gräueltaten an den Jesiden als Genozid anzuerkennen, fand auf Initiative unseres Integrationsreferenten Christian Huber am 25. Juli 2022 ein Pressegespräch statt. Neben Merkur und SZ war auch Salam Mado Ali, ein Germeringer Jeside, anwesend.

Vielleicht stellt man sich die Frage, warum so ein Gespräch initiiert wurde? Nun, dass es die Jesiden noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Immer wieder wurde die kleine Gemeinschaft bedroht und verfolgt. Zuletzt fand 2014 durch den Islamischen Staat ein regelrechtes Massaker im Nordirak statt. Männer wurden getötet, zum Teil bei Massenhinrichtungen, Frauen wurden vergewaltigt und verkauft, ebenso verkauft wurden die Kinder. Zum Teil konnten sie bis heute nicht zu ihren Familien zurückkehren.

Im Landkreis Fürstenfeldbruck leben zwischen 300 und 400 Jesid*innen. Wenn man diese Zahl erwähnt, sind viele Menschen verwundert und fragen sich, warum man hierüber so wenig weiß. Um genau das zu ändern, schien ein Pressegespräch ein guter Auftakt zu sein.

Warum wird eine derart kleine religiöse Gemeinschaft, die noch nicht einmal missioniert und unter sich bleibt, weil Hochzeiten außerhalb der Gemeinschaft nicht erlaubt sind, überhaupt verfolgt? Gerade auch als Theologen ist es Christian Huber wichtig, hier Aufklärungsarbeit zu leisten: „Die Jesiden haben kein heiliges Buch, sie tragen ihre Überlieferungen mündlich weiter und können somit Fundamentalisten gegenüber kaum bestehen“, so Huber. So sehen Fundamentalisten beispielsweise in Melek Taus, für die Jesiden der wichtigste der 7 Engel, den Satan. Dabei ist allgemein bekannt, dass ähnlich klingende Legenden oder Erzählungen nicht zwangsläufig dieselbe Quelle haben müssen bzw. oftmals nicht der gleichen Tradition entspringen, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen.

Salam Mado Ali, der seit einigen Jahren in Germering lebt und mittlerweile als Pfleger im Klinikum Pasing arbeitet, freut sich darüber, dass es nun nicht mehr lange dauern kann, bis der Bundestag der Empfehlung des Petitionsausschusses folgt und den Genozid anerkennt. „Ich gehe davon aus, dass dem Bundestag nach der Sommerpause eine entsprechende Beschlussvorlage vorgelegt wird“ ergänzt Huber.

Die Anerkennung des Genozids ist richtig und wichtig, darüber hinaus ist es aber natürlich wünschenswert, dass auch Konsequenzen gezogen werden, einerseits Aufklärungsarbeit hier und andererseits Aufbauarbeit im Nordirak, denn die überwiegende Zahl der Jesid*innen, die noch im Irak leben, sind bis heute in Lagern untergebracht.

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